Date: Mon, 8 May 1995 11:52:11 -0500 Reply-To: H-NET List on German History Sender: H-NET List on German History From: H-GERMAN EDITOR Dan Rogers Subject: May 8, 1945 - 50 years ago Submitted by: Thomas Schmitz The German newspapers are full with accounts of people remembering the day when they were 'liberated' in 1945. It is good to know, however, that not all native German-language speakers are German citizens: There is an outstanding, very lucid article by the Swiss historian Joerg Fisch (U of Zuerich), who gives the whole discussion about 'Befreiung' a completely new turn. I think the essay to be so important, that I provide you with the vital parts of the text, which appeared in the 'Sueddeutsche Zeitung', May 6, p. 17: "'Ein uneinig Volk von Opfern' Der problematische Umgang von Deutschen mit ihrer Geschichte Rechtzeitig zum 8. Mai 1995 ist das Werk vollbracht. Die Deutschen sind zu einem Volk von Opfern geworden. Sie streiten sich nur noch darueber, wessen Opfer sie gewesen sind. ... Jener Aufruf [i.e. the Berlin Manifest by Zitelmann and others] wendet sich gegen die Bezeichnung des Kriegsendes als "Befreiung" - eine Bezeichnung, die sich erst in neuerer Zeit durchgesetzt hat, heute aber beinahe zur offiziellen Lesart geworden ist. Fragwuerdig ist diese Sprachregelung schon angesichts ihrer Geschichte. Kaum einer der "normalen" Deutschen waere 1945 auf die Idee gekommmen, das Kriegsende als Befreiung zu bezeichnen.... In der deutschen Sprache hat Befreiung mit Opfern, Niederlage oder auch Niederwerfung zu tun. Befreit wird, wer vordem gegen seinen Willen, den er nach Moeglichkeit durch aktiven oder wenigstens passiven Widerstand unter Beweis stellt, zu etwas gezwungen wurde. Er ist nicht nur in seiner Haltung, sondern auch in seinen Worten und Taten ein Parteigaenger dessen, der ihn befreit und gleichzeitig ein Gegner und eben ein Opfer dessen, von dem er befreit wird. Wer sich hingegen dagegen wehrt, ergriffen zu werden oder den Abwehrkampf auch nur passiv unterstuetzt, der ist ein Taeter, und Taeter werden nicht befreit, sondern gefasst oder, zwischen Staaten, besiegt. Wer also behauptet, Deutschland sei 1945 befreit worden, behauptet zugleich, die Deutschen seien in ihrer uebergrossen Mehrheit nicht Taeter, sondern Opfer gewesen. Das ist eine Unterstellung, die allen historischen Erkenntnissen zuwiderlaeuft. Die Forschung zeigt je laenger je deutlicher, dass sich auch bei den schlimmsten NS-Untaten keineswegs fein saeuberlich zwischen einer kleinen, verbrecherischen Clique und einer ebenso unschuldigen wie unwissenden Masse unterscheiden laesst. Man braucht lediglich an die Rolle der Wehrmacht zu erinnern. ... Wer also von Befreiung spricht, erklaert, ob er es will oder nicht, alle Befreiten zu Opfern. Die Besonderheit der gegenwaertigen Situation liegt darin, dass selbst diejenigen, die die Befreiungsthese ablehnen, nicht etwa stolz oder reumuetig erklaeren, Taeter gewesen zu sein, sondern sich nur zu dem Zweck als Besiegte darstellen, um ebenfalls Opferstatus in Anspruch nehmen zu koennen. Indem die beiden Seiten sich gegenseitig bekaempfen, bekraeftigen sie die Legende vom Volk der Opfer. ... Man kann keinem Volk gerecht werden, wenn man es als Ganzes nur unter der Alternative von Taetern und Opfern betrachtet. Wenn sich die Deutschen aber unter Berufung auf eine generelle Opferrolle aus der Verantwortung zu stehlen versuchen, dann sollten sie daran erinnert werden, dass sie unter der damit vorgegebenen Alternative Taeter und nicht Opfer sind." (Prof. Joerg Fisch, U of Zuerich, Switzerland) That gives the whole controversy a completely new twist; in fact, I had to think over my own position during the weekend! The myth of 'Befreiung' should now be an excellent testing-ground for the linguistic turn. It is, as always, very important, who is or who was saying what when and where. I think that the notion of 'Befreiung', while it should no longer be used in German historiography, ought to be used by present-day Germans, when looking back to 1945 and placing it in their 'Weltanschauung'. Here, for Germany's contemporary 'Geschichtsbild' and 'Geschichtsverstaendnis' Heinrich Boell's dictum is still valid: "Ihr werdet die Deutschen immer wieder daran erkennen koennen, ob sie den 8. Mai als Tag der Niederlage oder Befreiung bezeichnen." ---- A second ad was placed by the Zitelmann-group in the FAZ, May 5, p.3. Here they complain that "eine aggressive Kampagne linker Medien versuchte...die Initiative zu diffamieren. Die Kampagne konnte nur deshalb Erfolg haben, weil die Fuehrung der Union [CDU] statt offensiv gegen die linke Polit- und Medien-Agitation aufzutreten, dem Druck nachgab und Herrn Dregger die Unterstuetzung verweigerte." ---- An anti-manifesto was placed by the Brauner family in the FAZ, May 6, p.3. The Brauner family, having lost some eighty close relatives and friends in the Holocaust, says that "Die Anzeige der Neuen Rechten in der F.A.Z., die aus "Platzmangel" mit keiner Silbe des Bedauerns der Ausrottung des halben juedischen Volkes gedacht haben, veranlasst uns, unseren Aufruf, den unschuldigen Opfern gewidmet, an dieser Stelle der Oeffentlichkeit zu offenbaren:" ____ Also our chancellor said something about the Befreiungs-issue ... ---- Yesterday unknown people set fire to the Luebeck synagoge again. ---- Prof. Dr. Hans Schwerte, the former president of Aachen University and a retired, well-known progressive professor for German literture, was demasked as Hans Schneider, SS-officer in the notorious SS-organization "Ahnenerbe" by Netherland TV. --- Thomas Schmitz .