Date: Mon, 8 May 1995 14:49:20 -0500 Reply-To: H-NET List on German History Sender: H-NET List on German History From: H-GERMAN EDITOR Dan Rogers Subject: Re: The Dead of Wars Submitted by: Gerald D. Feldman I must confess that I remain totally unmoved by the 75 year old veteran who decided to immolate himself at the Feldherrenhalle, and I think it useful on the occasion of the 50th anniversary of the end of the war to keep very strictly in mind who the perpetrators really were and who was responsible for the victimizations and, insofar as Germans were victims, why they experienced victimization. One of the most moving and important articles to be published recently was by Karl-Heinz Janssen in the March 24 issue of Die Zeit, "Als Soldaten Moerder Wurden," which reports on the exhibition concerning the role of the Wehrmacht at the Kulturzentrum Kampnagel in Hamburg. It demonstrates the direct role of the Wehrmacht in crimes against humanity in Russia, Italy, and the former Yugoslavia, as evidenced by the reports and photographs sent home by soldiers. I take the liberty of quoting the last three paragraphs: Von derselben Abgestumpftheit, mit der das ungeheurliche Tun hingenommen wurde, zeugen auf den schwarzen Innenwaenden eine Unmenge von Bildern, deren Fuelle zuweilen erdrueckt. Man kann die Veranstalter verstehen, dass sie alles zeigen wollten, was sie entdeck haben. Was im Gedaechtnis haften bleibt, sind die Leichenkarren mit den toten Kriegsgefangenen; die Demuetigungen und Misshandlungen der Juden auf oeffentlichen Plaetzen und dahinter die feixenden Gesichter der Taeter; die verhaltene Sadismus der Soldaten, die den Juden beim Schaufeln ihrer eigenen Graeber zuschauen. Und dann, in allen Raeumen, immer wieder der Bilder von Erschiessungen. Und gegenueber: Galgen, Galgen, Galgen. Bei diesem barbarischen Treiben legten die Landser selber Hand an: beim Aufstellen des Schafotts, beim Verknoten des Stricks oder der Schnur. Geradezu genuesslich werden die einzelnen Stationen des Vorgangs photographiert. Was war da noch uebriggeblieben vom frisch-froehlichen Geist in "Wallensteins Lager", aus dem Klaus von Bismarck in seiner Eroeffnungsrede zitiert: Wo war da im Felde der Mann noch was wert, wo wurde da das Herz noch gewogen? Wer es eilig hat, dem mag vollauf reichen, was ihm beim Thema "Geiselkrieg in Serbien" auf knappen Raum konzentriert und eindringlich praesentiert wird; das liegt nicht zuletzt an der hervorragenden Qualitaet der Aufnahmen, die ein Photograph der Propaganda-Kompanie, Gerhard Gronefeld, gemacht und versteckt hat. Hier finden sich gleich alle drei Grossverbrechen beisamen, und man sieht im hellen Sonnenlichte die Herrenmenschen in Feldgrau und Stahlhelm. Denn hier in Serbien ist die Wehrmacht ganz unter sich, die Einsatzgruppen des SD, denen man ansonsten gern den Vortritt beim Mordgeschaeft laesst, sind all in Russland und unabkoemmlich. Da springt die Wehrmacht gern in die Bresche und macht "Serbien judenfrei". Aber auch gegen die uebrige Bevoelkerung tobt sich der Geiselterror aus. Man sieht mit an, wie in Stari Becynin in der Vojvodina elfe Jugendliche in einer Strasse niederknien muessen; Soldaten legen ihnen die Binde an; andere Feldgraue stehen schon mit dem Gewehr bereit, je fuenf auf einen. Jeder Bundeswehrsoldat, den es vielleicht nach Einsaetzen auf dem Balkan geluestet, sollte diese Photos kennen. Die anruherendsten, in ihrer Traurigkeit geradezu schoenen Bilder, von denen man sich nicht trennen mag, wurden am Wege der 6. Armee aufgenommen, in Lubny, einer Stadt suedoestlich von Kiew. Auf Befehl des Stadkommandanten hatten Wehrmachtsoldaten 1800 juedische Einwohner zu einem Sammelplatz gebracht: Maenner, Frauen, Kinder hocken auf ihren Buendeln, dich vermummt gegen die Oktoberkaelte; die Muetter beschirmen ihre Kleinen, der Grossvater haelt den Enkel fest im Arme, junge Burschen und Maedschen scauen dem Kameramann offen ins Gesicht, von dem man nicht weiss, was ihn an dieser Szene gefesselt haben mag. Nur das "Pittoeske"? Oder wollte einer hier Zeugnis ablegen fuer fernere Zeiten? Menschen in stummer Verzweifelung ueber den Exodus, zwischen Bangen und Hoffen, arglos noch, denn die Einsatzgruppe der SS steht schon zum Massaker bereit. Die Schlaechter sieht man nicht auf diesen Bildern, doch man sieht die Treiber, einfache Soldaten in Maenteln, die behutsam das Volk der Juden zum Schlachthof fuehren. Sie haben gewusst, was geschah, unsere Vaeter und Grossvaeter, oder sie konnten es wissen. Noch ist Zeit, sich zu erinnern. Gerald D Feldman, History Dept. UC Berkeley .