Date:         Mon, 15 Apr 1996 17:08:25 -0500
Reply-To:     H-NET List on German History 
Sender:       H-NET List on German History 
From:         H-GERMAN EDITOR Dan Rogers 
Subject:      Goldhagen, Browning & Expertise

Submitted by:   Mitchell Ash 

This was originally written directly to Norbert Frei in response to his
review of Goldhagen's book.  Apologies for leaving the text in the
original German rather than translating it.

Ich moechte Norbert Frei zu seinem Beitrag in der SZ, der soeben auf
meinem Bildschirm ueber H-German gelimmert war, herzlich gratulieren.
Dass ich mit ihm in allen Hauptpunkten uebereinstimme, versteht sich
von selbst.  In einem Punkt - die Motivation dafuer, dass sich G.
ausgerechnet mit Browning anlegt - moechte ich daran errinern, dass G.
mit seiner Diss. schon 1992 fertig war - also genau im selben Jahr, als
Brownings Buch erschien.  Zwar musste er, da er in z.T. den selben
Archiven gearbeitet hatte, wohl gewusst haben, dass B. bald
veroeffentlichen wuerde.  Was B. argumentieren wuerde, haette G.
aber noch nicht wissen koennen, als er seine Doktorarbeit abschloss.  Ich
vermute, dass die Vehemenz, mit der er nun gegen B. ans Werk gegangen ist,
Produkt einer spaeteren Revision seines Textes ist, sowie auch der Wut,
die jeder Forscher empfindet, wenn jemand ihm zuvor kommt und dies auch
mit Thesen, mit denen er nicht uebereinstimmt.

Was den weiteren Verlauf der Kontroverse betrifft, so fuerchte ich
Schlimmes, gerade auf der Basis des Berichtes ueber die Debatte im
Holocaust-Museum, der in H-German vor wenigen Tagen kam.  Da zeichnet
sich wie allzu ueblich eine fest-verankerte Moralisierung der Diskussion
ab - hier die Fachleute, die ruhiger und differenzierend sein wollen,
ohne die grundsaetzliche Bedeutung des Antisemitismus infrage zu stellen,
dort ein Publikum, das es sich moeglichst einfach machen will, ohnehin
schon immer um die boesen Deutschen Bescheid gewusst hat, und die Thesen
Gs. nun als "die Wahrheit" praktisch ungelesen anerkennen moechte.  In
einem solchen Kontext koennten die Fachleute sich im Handumdrehen als
Verharmloser oder gar Beinahe-Leuger des Schoah dargestellt sehen.  Ich
befuerchte jedenfalls, dass das einhellige Urteil der Fachleute in dieser
Diskussion kaum etwas Wesentliches bewirken kann oder wird.  Die
Zeitgeschichtsschreibung war ohnehin nie Eigentum der Fachleute.

Mitchell Ash