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Hieroglyphe als bildtheoretischer Denkraum
Zentrales Anliegen dieses Workshops ist es, die (früh)neuzeitliche Hieroglyphik als Ort bildtheoretischer Reflexionen zu beleuchten. Zwischen Alberti und Diderot wurden anhand von Bilderschriften prominent Fragen nach dem anthropologischen, epistemologischen oder physiologischen Status von Bildern diskutiert. Hieroglyphen wurden dabei herangezogen, um insbesondere drei Grenzen des Bildes zu definieren: Zunächst betraf dies das semiologische Problem der Differenzierung von Bild und Schrift, wie es auch nach Champollions Entzifferung der ägyptischen Bildzeichen virulent blieb. Da unter Hieroglyphen nicht nur von Menschenhand gemachte Bildzeichen, sondern auch von der Natur hervorgebrachte figurae wie Zufallsbilder oder Sternzeichen verstanden wurden, waren sie Reflexionsgegenstand par excellence zur Unterscheidung von mimetischen Bildwerken und Naturalia. Zuletzt lassen sich daher hieroglyphische Diskussionen auch als Problematisierungen des Verhältnisses von konventionsbasierten Zeichen und wirkmächtigen, die Phantasie stimulierenden Universalien, also von Bild und Kunst verstehen.
Erwünscht sind insbesondere Vortragsvorschläge zu folgenden Themenkomplexen:
- Hieroglyphen galten in doppelter Hinsicht als universal: sowohl bezüglich ihrer Herkunft und ihres Vorkommens als auch bezüglich ihrer unmittelbaren Allgemeinverständlichkeit. Zu unterscheiden sind dabei vor allem Begründungen, die sich zwischen den reziproken Polen anthropologischer Konstanz und göttlicher Naturoffenbarung bewegen.
- Sowohl aus naturphilosophischer als auch aus historistischer Perspektive wurden Hieroglyphen als Ursprung von Kunst, Kultur und Wissenschaft erachtet. Die Bildlichkeit der Schrift wird damit zum gemeinsamen Grund dieser Trias und zum Definitionsmoment ihres inneren Verhältnisses.
- Mnemonik und Hieroglyphik operierten wesentlich mit einem vergleichbaren Wirkmechanismus, der auf der Annahme beruhte, rationale Bilder könnten unmittelbar durch das Phantasieorgan bis in die Gedächtniskammer eindringen. Daher konnte sich die Vorstellung von ursprünglich hieroglyphischen Bildzeichen als Trägern kulturellen Gedächtnisses ausbilden.
- Mindestens hinsichtlich dreier Aspekte wurden Bilderschriften auch als Bildwerke angesehen: In formalistischer Hinsicht etwa bezüglich ihrer geometrischen Gestaltung, ihres Abstraktionsgrades und ihrer mimetischen Qualität; zudem in ihrer materiellen Beschaffenheit, wenn die Wirkweisen des Zusammenhanges von Hieroglyphe und Trägermaterial erörtert wurden; und zuletzt in mediale Differenzierungen von insbesondere sprachlicher und visueller Produktion und Vermittlung.
Der historische Rahmen der Beiträge kann dabei vom Beginn der Frühen Neuzeit, bis ausdrücklich zu Debatten und Konsequenzen der Profanierung der Hieroglyphen im 18. Jahrhundert reichen.
Bewerbungen bis zum 21. Juni 2012 bitte mit Abstract (200 Wörter; deutsch oder englisch) für einen ca. 20-minütigen Vortrag und kurzem CV an: hchoenes@web.de oder sass@philosophie-kunst.de
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