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Zeitenschwellen und Umbruchszeiten, aber auch die ihnen zugrunde gelegten Epocheneinteilungen - seit den ersten Anfängen der Frauen- und Geschlechtergeschichte wurden solche grundlegenden zeitlichen Ordnungsmuster der Geschichtswissenschaft und benachbarter Disziplinen kritisch reflektiert. Damals hatte der Blick auf Wandel, Krise und Umbruch Konjunktur. „Hatten Frauen eine Renaissance?“, war eine der Leitfragen der feministischen Frühneuzeitforschung der 1970er Jahre. In der Zwischenzeit wissen wir, dass es weder die Frauen, noch die Renaissance gibt. Im Zuge von Dekonstruktion und diversen kulturgeschichtlichen Wenden sind die „großen Einheiten“ anhand derer über Persistenz und Wandel, über die Herstellung grösserer historischer Zusammenhänge und Epocheneinteilungen diskutiert wurde, ins Hintertreffen geraten. Gleichzeitig arbeiten wir alle im Rahmen mehr oder weniger etablierter historischer Narrative, die zeitliche Vor- und Nachordnungen, Chronologien und Kausalitäten in sich tragen oder doch suggerieren.
Es soll deshalb gefragt werden: Wo stoßen wir in unseren Arbeiten auf problematische epochenbezogene Festschreibungen, auf geschlechtergeschichtlich betrachtet wenig plausible oder unreflektierte An- und Übernahmen zeitlicher, aber auch konzeptioneller Einteilungen und Definitionen, angefangen mit der Abgrenzung der Frühen Neuzeit vom Mittelalter einerseits, von der Neuzeit andererseits? Doch auch umgekehrt ließe sich fragen: Hatten Frauen nicht doch „eine Renaissance“? Und ist es in geschlechtergeschichtlicher Hinsicht nicht doch sinnvoll, von „der Aufklärung“ oder der „Sattelzeit“ zu sprechen – oder impliziert diese Art der Fragestellung bereits irreführende Vorannahmen? Lassen sich im Hinblick auf bestimmte Themen aus geschlechtergeschichtlicher Sicht heute andere Schwellenphänomene erkennen, als noch vor zwei oder drei Jahrzehnten?
Des weiteren sollen bei der diesjährigen Tagung auch Probleme der Traditionsbildung und Innovation in Forschung und Historiographie angesprochen werden. Ausgehend von der grundlegenden Kritik der Geschlechtergeschichte an der „männlichen Geschichtsschreibung“, die mit der Akademisierung der Historigraphie im 19. Jahrhundert prägend für die Entstehung und Ausrichtung der modernen Geschichtswissenschaft wurde, ist zu fragen: Welche konkurrierenden Geschichtserzählungen und Narrative – insbesondere bezüglich der Frühen Neuzeit – lassen sich mit Blick auf die Geschlechtergeschichte identifizieren? Welche Rezeptionsprozesse wurden durch die Akademisierung blockiert, welche geschlechtergeschichtlich relevanten Traditionen wurden abgebrochen oder vernachlässigt (etwa in der familienbezogenen Adelshistoriographie und Genealogie, aber auch bei religiösen Gemeinschaften, bei der „empfindsamen“ Geschichtsschreibung etc.)? Schliesslich ist mit Blick auf frühneuzeitliche Quellen und Überlieferungen zu fragen: Wie haben Frauen und Männer der frühen Neuzeit über die Vergangenheit, die Geschichte, die eigene Gegenwart oder die überkommene Historiographie, über Krisen, Umbrüche und Traditionen nachgedacht – und wie haben sie sich in solche Traditionen hinein- oder dagegen angeschrieben?
Die Tagung findet statt vom 01.11. bis 03.11.2012 in den Räumen der Akademie der Diözese Rottenburg in Stuttgart-Hohenheim/Deutschland. Sie will auch diesmal insbesondere dem "wissenschaftlichen Nachwuchs" eine Plattform zur Präsentation und Diskussion von Forschungsarbeiten bieten. Darüber hinaus wollen wir weiterhin methodologisch-theoretische Debatten initiieren oder jedenfalls intensivieren. Dies kann nur dann gelingen, wenn die einzelnen Beiträge ganz maßgeblich den Fokus auf die verwendete Methode bzw. den theoretischen Hintergrund ihres jeweiligen Forschungsansatzes legen.
Wir bitten um Vortragsvorschläge, gerade auch von jüngeren Kolleginnen und Kollegen - auch aus benachbarten historisch arbeitenden Disziplinen - im Umfang von einer halben bis max. einer Seite.
Wir weisen darauf hin, dass von der Akademie Rottenburg-Stuttgart für ReferentInnen in der Regel keine Reise- und Tagungsgebühren übernommen werden können.
Monika Mommertz (Freiburg/Basel), Claudia Opitz (Basel)
Vortragsvorschläge, die thematisch in den Rahmen unseres Tagungskonzeptes passen, bitte bis zum 31. Mai 2012 an die folgenden Adressen, wenn möglich bitte per email:
Monika.Mommertz@t-online.de
Dr. Monika Mommertz
Z.Zt.Vertretung Prof. Dr. Claudia Opitz
Historisches Seminar
Universität Basel
Hirschgässlein 21
CH – 4051 Basel
Opitz-belakhal@online.de
Prof. Dr. Claudia Opitz
Hauriweg 15
D-79110 Freiburg
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