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Dinge – Tiere – Menschen
Anthropozentrismus und Anthropomorphisierung
Ob Agency (Gell, Latour), Presence (Gumbrecht, Belting) oder Thing (Brown, Daston): Theorien, welche die Macht der Dinge betonen, haben Konjunktur. Gegen die cartesianische Vorstellung der Objektivierung der Dinge durch das anthropozentrische Subjekt wird die Anthropomorphisierung der Dinge in Netzwerken und Interaktionsfeldern stark gemacht. Dieselbe Offenheit in der Traktierung (als Sub- oder Objekt) gilt nicht minder für Tiere, wobei hier die ethischen Implikationen noch viel dringender auf der Hand zu liegen scheinen (Agamben, Derrida).
Ziel des Workshops ist ein doppeltes: zum einen soll nach der Substituierbarkeit, Komplementarität oder Exklusivität zentraler Theorien (mögliche Auswahl siehe unten), welche die Eigenwirksamkeit von Dingen und Tieren fokussieren, gefragt werden; zum anderen sollen die Möglichkeiten der Nutzbarmachung dieser Ding- und Tierkonzeptualisierungen für die historiographische Einzelfalluntersuchung diskutiert werden.
Gesucht werden daher Beiträge, die vom konkreten historischen Material ausgehend diskutieren, inwiefern die entweder im Artefakt (Bild, Text, Aufführung etc.) oder in dessen zeitgenössischer Rezeption ausgebildeten Konzeptualisierungen von Tieren und/oder Dingen einen Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion des Verhältnisses von Dingen, Tieren und Menschen leisten. Historische Einzelfälle könnten so überraschende Gemeinsamkeiten zwischen scheinbar exkludierenden Theorien verdeutlichen, indem sie gemeinsame Paradigmen aufzeigen, oder etwa den Blick für die Alteritäten gegenwärtiger Theorien schärfen, indem sie ihrerseits die „Widerspenstigkeit“ des historischen Einzelfalls zur einen oder anderen „ob-jektivierenden“ Konzeptualisierung beleuchten.
Bewerbungen bis zum 22. Juni 2011 bitte mit Abstrakt (200 Wörter; deutsch oder englisch) für einen ca. 30 minütigen Vortrag und kurzem CV an: sass@philosophie-kunst.de
Giorgio Agamben: L’aperto. L’uomo e l’animale. Turin: Bollati Boringhieri 2002.
Horst Bredekamp: Theorie des Bildakts. Berlin: Suhrkamp 2010.
Bill Brown (Hg.): Things. (= Critical Inquiry. 2001, Bd. 28, Nr. 1)
Lorraine Daston (Hg.): Things that talk. Object lessons from art and science. New York: Zone Books 2004.
Jacques Derrida: L’animal que donc je suis. Paris: Galilée 2006.
Alfred Gell: Art and Agency. An anthropological theory. Oxford [u.a.]: Clarendon Press 1998.
Hans Ulrich Gumbrecht: Production of Presence. What meaning cannot convey. Stanford: University Press 2004.
Haraway, Donna Jeanne: When Species Meet. Minneapolis: University Press 2009.
Bruno Latour: Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory. Oxford: University Press 2005.
Louis Marin: Des pouvoirs de l’image: gloses. Paris: Éditions du Seuil 1993.
W.J. Thomas Mitchell: What do pictures want?: the lives and loves of images. Chicago: University Press 2005.
Carrie Noland: Agency and Embodiment. Performing Gestures / Producing Culture. Oxford: Oxford University Press 2005.
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