Call for Papers
34. Wissenschaftliches Symposium
der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V. (GUG)
am Donnerstag, den 6., und Freitag, den 7. Oktober 2011
Unternehmer und Migration
Einwandererunternehmer sind anders. Sie verfügen über spezifische Vor-, aber auch Nachteile im Vergleich zu Unternehmern, die im Land ihrer beruflichen Tätigkeit auf-gewachsen bzw. ethnisch der Mehrheitsgesellschaft zuzurechnen sind.
Diese Tagung beschäftigt sich mit den besonderen Vorteilen, die eingewanderte Un-ternehmer der ersten und zweiten Generation nutzen können, wie den Rückhalt in ethnischen und familiären Netzwerken, die Möglichkeiten des Wissens- und Kapital-transfers aus den Herkunftsländern oder auch die starke Motivation, Benachteiligun-gen überwinden zu wollen. Zugleich sollen die Nachteile, wie u. U. rechtliche und soziale Diskriminierung und kulturelle Differenzen (Sprache, Religion, etc.) themati-siert werden. Schließlich sind auch die Auswirkungen auf die Herkunfts- und die Auf-nahmeländer anzusprechen. Folgende spezifische Fragen sind vorgesehen:
- Ursachen der Migration: Worin lagen die Gründe der Migration? Waren sie iden-tisch mit den allgemeinen push/pull-Faktoren für andere Einwanderergruppen? Be-schlossen Unternehmer, mit ihrem Unternehmen / ihrer Geschäftsidee umzuziehen, oder entdeckten sie die Möglichkeit der Unternehmensgründung erst vor Ort?
- Unternehmerische Ursprünge: Worin lag der persönliche Ursprung des Unterneh-mertums? Was waren die Einstiegspositionen? Wann und wie erkannten Einwande-rerunternehmer eine Geschäftschance?
- Gesetzliche und soziale Rahmenbedingungen: Mit welchen formellen und informel-len Hindernissen oder Förderungsmöglichkeiten sahen sich einwandernde Unter-nehmer konfrontiert? Wie gelang es ihnen, diese zu überwinden oder zu nutzen? Welche Auswirkungen hatten Kräfte wie Fremdenfeindlichkeit, Boykotte oder rechtli-che Diskriminierung einerseits, die Reputation besonderer Kompetenz in bestimmten Bereichen andererseits in verschiedenen Phasen der Unternehmensentwicklung?
- Gab es Branchen oder Branchencluster in denen Einwandererunternehmer beson-ders gute Bedingungen vorfanden? Erbringen sie dort einen überproportionalen Bei-trag zu Innovation, Kapitalbildung und der Schaffung von Arbeitsplätzen? Oder be-setzen sie vor allem ökonomisch für die Mehrheitsgesellschaft unattraktive Nischen und schaffen prekäre Unternehmen?
- Komparative Vorteile: Entstanden durch Faktoren wie Ausbildung oder kulturelle Besonderheiten des Herkunftslandes komparative Vorteile? Welcher Art war der Wissens- und Kompetenztransfer aus der Heimat in die Fremde? Gab es „transnati-onale Unternehmer“, deren Erfolg von fortbestehenden Verbindungen zum Her-kunftsland abhing? Existierten komparative Vorteile bereits vor der Einwanderung oder entstanden sie erst als Reaktion auf die Herausforderungen der Einwande-rungssituation?
- Netzwerke: Trug ethnische Solidarität in Form von Krediten, Zusammenhalt, Infor-mationen und Netzwerken zum Erfolg bei? Diente die eigene ethnische Enklave als eine Art Inkubator für Unternehmensgründungen? Orientierten sich Einwanderer be-sonders in Richtung von Branchen, die eine besondere Beziehung zum Herkunfts-land oder der Herkunftsregion aufwiesen?
- Strategie: Welche Geschäftsstrategien verfolgten Einwanderunternehmer? Be-schränkten sich ihre Unternehmen anfangs auf die Klientel ihrer eigenen Community oder ihres Heimatlandes, oder war ihre Strategie von vornherein weiter gefasst? Nutzten diese Unternehmen ihren ethnischen Hintergrund bei der Markenbildung und Vermarktung oder verbargen sie ihn gezielt? Hatte die Herkunft Einfluss auf die Rek-rutierung von Personal?
- Kulturelle Adaptation bzw. Integration: Wurden die Verbindungen zum Herkunfts-land gepflegt oder abgebrochen? Entwickelten sich multiple Identitäten?
Die Tagung besetzt einen internationalen, epochenübergreifenden Fokus. Vorschlä-ge zu Referaten zu Einwanderern und ihren Unternehmen vom 18. Jahrhundert bis zur unmittelbaren Gegenwart sind ebenso willkommen wie theoretisch orientierte Re-ferate.
Vorschläge mit einen ca. zweiseitigen Abstract und einem CV werden bis zum
10. Januar 2011 erbeten an die
Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V.
Frau Dr. Andrea H. Schneider
Sophienstr. 44
60487 Frankfurt am Main
Email: gug@unternehmensgeschichte.de
Als Ansprechpartner und für Rückfragen stehen zur Verfügung:
Prof. Dr. Hartmut Berghoff (Washington DC/Göttingen)
Email: proberghoff@ghi-dc.org
Prof. Dr. Andreas Fahrmeir (Frankfurt/M.)
Email: fahrmeir@em.uni-frankfurt.de
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