Die interdisziplinäre Tagung zielt darauf ab, Inszenierungsmuster und Bildstrategien parlamentarischer Integration und Identitätsbildung während der Inkubationsphase moderner Staatlichkeit kritisch zu hinterfragen.
Vor dem Hintergrund neue visueller Produktions- und Reproduktionstechniken des 19. Jahrhunderts (etwa Autotypie, Fotografie und Lithografie) gilt es besonders nach zeitgenössischen Darstellungen parlamentarischer Akte und Repräsentationstechniken zu fragen.
„Visualisierung“ im Sinne des Tagungsthemas meint mehr als „Symbolisierung“. Ausgehend von Beispielen parlamentarischer Repräsentation, Inszenierung und Selbstsymbolisierung, geht es primär um Fremdwahrnehmungen und –zuschreibungen. Dabei sollen insbesondere aber politisch abweichende Positionen berücksichtigt werden, wie etwa monarchistische und radikalsozialistische. Passen die Zeichensysteme zum Auftrag und zur politischen Botschaft des Parlaments und inwieweit lässt sich das Problem des „Bedeutungsüberschusses“ politischer Symbolik in den Griff bekommen?
Neben der Parlamentspraxis in England und Frankreich interessiert sich die Tagung insbesondere für etwaige Abweichungen gegenüber frühparlamentarischen Repräsentationsformen in den deutschen und habsburgischen Staaten.
Programm 24. – 25. März 2010
Mittwoch (24.3.):
14:30-14:45
Hans-Ulrich Thamer, Münster
Begrüßung
14:45-15:30
Martin Knauer, Münster
Visualisierung konstitutioneller Ordnung. Überblick und Einführung
15:30-16:15
Verena Kümmel, Münster
L’Éloquence, la Justice, la Fermeté. Die Tugenden des ‚neuen‘ Staatsmannes und das Grabmal für Casimir Périer
16:45-17:30
Susanne Kolter, Oldenburg
Die Lords Chamber des New Palace of Westminster als konstitutionelles Lehrstück. Zum Verhältnis von Parlament und Krone im frühviktorianischen England
18:15 Öffentlicher Abendvortrag
Philip Manow, Heidelberg
Zum Kontext von Hobbes Leviathan und De Cive
Donnerstag (25.3.):
09:30-10:15
Ewald Grothe, Wuppertal
„Solche Ehre pflegt sonst ja nur Regenten zu widerfahren“. Zur Visualisierung des Parlamentarismus im mitteldeutschen Konstitutionalismus 1830-1848
10:15-11:00
Benjamin Schröder, Berlin
Zur medialen Konstruktion von Abgeordneten im Vormärz
11:15-12:15
Andreas Köstler, Potsdam
Bildakte ersehnter Verfassung. Visualisierungsstrategien konstitutioneller Ordnung im preußischen Vormärz
14:30-15:15
Luboŝ Velek, Prag
Die Vorstellungen der böhmischen Bevölkerung über Parlamentarismus und Konstitution in der Revolution 1848/1849
15:15-16:00
Eva Maria Werner, Innsbruck
Die Eröffnung des Wiener Reichstages im Jahr 1848
16:15-16:45
Abschlussdiskussion
Ort und Zeit:
24. – 25. März 2010
Liudgerhaus Raum S 2(Überwasserkirchplatz 3, 48143 Münster)
Anmeldung
Um Anmeldung bis zum 19. März 2010 wird gebeten.
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