Als gegen Dogmatik und Tradition gerichtete, kritische Methode ist die Skepsis das zentrale erkenntnistheoretische Instrument in den Debatten der deutschen Aufklärung im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Dem Konzept des Zweifels ist jedoch eine Ambivalenz eingeschrieben, welche sich bereits in jenen theologischen Diskursen widerspiegelt, die den philosophischen vorausgegangen sind.
Durch die Dekonstruktion tradierter Anschauungen in den Bereichen der Literatur und der Ästhetik, der Philosophie und der Moral, sowie der Theologie und der Naturwissenschaft avanciert der Skeptizismus zu dem pejorativ konnotierten Leitbegriff derjenigen Strömungen, die den Prozeß der Aufklärung als Sinnverlust verstanden haben und nach Orientierungsmöglichkeiten suchten. Aus diesem Impuls entstanden in der Schwellenzeit zwischen 1770 und 1850 Strömungen, die in der Polemik gegen Individualismus und Emanzipation auf Atheismus, Nihilismus und Amoralismus als Konsequenzen skeptischen Denkens verweisen. So können auch die revolutionären Erhebungen der Jahre 1789, 1830/31 und 1848/49 nicht nur als gesellschaftlicher Ausdruck sich auflösender Ordnungsmuster aufgefaßt, sondern auch vor dem Hintergrund der Dialektik von Skepsis und Antiskeptizismus interpretiert werden.
Das interdisziplinäre Forschungskolloquium unternimmt den Versuch, diese divergenten Tendenzen und Denkansätze in den prozeßhaften Übergängen vom dogmatischen Rationalismus der Aufklärung zum Idealismus der klassisch-romantischen Epoche und in den sich gegenseitig bedingenden Diskursen des spätromantischen Irrationalismus und der dialektischen Philosophie der Hegelschen Schule terminologisch wie inhaltlich als Antiskeptizismus zu definieren.
Gebeten wird um Beiträge, die sich mit der Dialektik von Skepsis und Antiskeptizismus in ästhetischen, philosophischen und theologischen Diskursen sowie in angrenzenden kulturgeschichtlichen Bereichen auseinandersetzen.
Die Vorträge sollen 30 Minuten nicht überschreiten und können sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache gehalten werden. Wir beabsichtigen die Beiträge zu veröffentlichen. Themenvorschläge (max. 1.000 Zeichen) richten Sie bitte bis zum 12. Januar 2010 an:
Dr. phil. Cornelia Ilbrig
Dr. phil. habil. Sikander Singh
Heinrich-Heine-Universität
Germanistisches Seminar II
Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
Forschungsstelle Christian Fürchtegott Gellert
Universitätsstraße 1
40225 Düsseldorf
forschungsstelle-gellert@phil-fak.uni-duesseldorf.de
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