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ARCHIVE VERGESSEN – Raeume des Verlusts
| Location: | Germany |
| Conference Date: | 2009-01-30 (Archive) |
| Date Submitted: |
2009-01-13 |
| Announcement ID: |
166222 |
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Archive sind Raeume des Vergessens. Diese paradox klingende Feststellung ueber eine ausgesprochene Institution des Erinnerns weist auf deren Organisationsprinzipien. Zum Vergessen als eine der grundlegenden Operationen des Archivs fuehrt der Zwang, sich vor einer Ueberfülle an Informationen schuetzen zu muessen. Diese Wechselseitigkeit findet sich im Archiv nicht nur im Vorgang der Ueberlieferungsbildung, also in der Unterscheidung von Aufbewahren und Wegwerfen, sondern auch im Vorgang der (Nicht-) Benutzung, in der Unterscheidung von Wiedergeholtem und Gelagertem. Die Kataloge, Register und Verzeichnisse des Archivs ersetzen zudem die Notwendigkeit, das gespeicherte Wissen selbst praesent zu halten: Es kann vergessen werden. Da bewusste und unbewusste Vergessensprozesse dazu dienen, die Aussagekraft des Erinnerten zu erhoehen, stehen die damit verbundenen Vorgaenge der Verdichtung, Typisierung und Repraesentation im Mittelpunkt der Tagung. Nicht um Zerstoerung, Loeschung und Gedaechtnisverlust geht es also, sondern um die bewahrenden und konstruktiven Leistungen des Vergessens. Unter diesem Blickwinkel lassen sich Praxis und Theorie von Archivprozessen neu sichtbar machen und (um)ordnen.
Die Tagung nutzt die Raumstruktur des Archivs als eine erste Beschreibung von Vergessen im Archiv: Vergessen wird nicht nur zwischen Lesesaal und Magazin, sondern auch in diesen Raeumen. Beide Archivraeume werden in ihrem Verhaeltnis geordnet durch Findmittel, denen, weil immer auch Nicht-Findmittel, der ‚Vergessens-Unterschied’ wesentlich eingebaut ist. Fragwuerdig wird nicht zuletzt das Verhaeltnis von Nicht-Auffindbarem im Archiv und Nicht-Auffindbarem ausserhalb des Archivs: dem Ausgeschiedenen, Kassierten, den Leerstellen und Resten.
Program
9.30 Uhr Eroeffnung
Prof. Dr. Uwe Walter (Prodekan der Abteilung Geschichte): Begruessung
Prof. Dr. Martina Kessel (Leiterin des Graduiertenkollegs): Begruessung
Dr. Anne Barnert (Institut für Zeitgeschichte Berlin): Inhaltliche Einfuehrung
9.45 bis 11.25 Uhr Findmittel
(Moderation: Julia Herzberg)
Andreas Litschel: Vergessene Abkuerzungen. Vom Archiv als Findmittel zur Vergangenheit als Genealogie
Vanina Kopp: Wider den Verlust. Aus dem Archiv in die Bibliothek
11.40 bis 13.20 Uhr Lesesaal
(Moderation: Karsten Wilke)
Christine Hikel: Erinnern – Verdraengen – Vergessen. Die "Weisse Rose" im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik
Christiane Heß: Abgelegt – Archiviert – Ausgestellt. Zeichnungen aus den Konzentrationslagern Neuengamme und Ravensbrueck
14.30 bis 16.10 Uhr Leerstellen
(Moderation: Maren Tribukait)
Anja Horstmann: "Alles was links und rechts der Kameralinse passiert, soll vergessen werden." Dokumentarfilm als Speicher einer konstruierten Realitaet
Yaman Kouli: Die Grenzen des Archivs – ueber die Vergaenglichkeit und Persistenz oekonomischen Wissens
16.30 bis 17.15 Uhr Reste
(Moderation: Levke Harders)
Dr. Anne Barnert (Institut für Zeitgeschichte Berlin): Die Wirkmaechtigkeit der Reste. Abgebrochene und nicht aufgefuehrte Filme des DDR-Kinos 1985-1989
17.15 bis 18.00 Uhr Abschlussdiskussion
Prof. Dr. Elena Esposito (Universita di Modena e Reggio Emilia)
Prof. Dr. Martina Kessel (Universitaet Bielefeld)
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