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Bilder in der Archäologie – Archäologie der Bilder?
In der traditionellen Bildhermeneutik dienen zumeist Schriftquellen der Rekonstruktion von kulturhistorischen Kontexten und Sinngehalten. Diese Orientierung an primär außerbildlichen Quellen prägt auch weite Teile der Bildwissenschaft(en).
Doch angesichts von Epochen, aus denen keine oder nur wenige Schriftquellen vorliegen, erweist sich eine derartige Annäherung als schwierig. Insbesondere in den archäologischen Wissenschaften besitzen deshalb visuelle Darstellungen einen prekären Status. Ihr Aussagewert schwankt oftmals zwischen einer positivistisch verstandenen Abbildung sozialer Wirklichkeit und der Illustration von aus Schriftquellen gewonnenen Erkenntnissen über gesellschaftliche Praktiken. Beide Vorgehensweisen sind vor dem Hintergrund neuerer methodischer Ansätze nicht mehr haltbar.
Gibt man eine textorientierte Bildhermeneutik auf, müssen die formalen und medialen Eigenschaften des einzelnen Bildobjekts in das Zentrum der methodischen Annäherung rücken. Diese Fokussierung auf das Einzelobjekt, seine Kategorisierung und Kontextualisierung, ist nicht nur für die Archäologie(n) eine große Herausforderung, sondern auch für die sich neu formierende(n) Bildwissenschaft(en). Deshalb möchten wir mit diesem Workshop einen Dialog eröffnen, in dessen Zentrum die Frage steht, wie eine »Archäologie der Bilder« aussehen könnte. Dabei gilt unser Augenmerk nicht dem Wesen des Bildes, sondern Inszenierungs- und Nutzungsformen der Bilder und einer am »materiellen Habitus« (Manfred K. H. Eggert) zu entwickelnden Hermeneutik jenseits schriftlicher Parallelüberlieferungen.
Ausgangspunkt unserer Überlegungen ist eine anthropologische Perspektive auf das Bild, wie sie das Karlsruher Graduiertenkolleg, das diesen Workshops veranstaltet, seit längerem verfolgt. Im Zentrum des anthropologischen Bildbegriffes steht der Körper. In ihm haben Bilder ihren Bezugspunkt – hier werden sie sichtbar und verhandelbar. Doch wird nicht nur der Mensch als Produzent und Rezipient von mentalen und artifiziellen Bildern in die Betrachtung einbezogen, sondern auch der mediale Körper der Bilder: Medien formen durch ihre materielle Beschaffenheit und ihre Inszenierung spezifische Bilderfahrungen, sie generieren und reproduzieren individuelle wie kollektive Modi der Welterfahrung.
Von dieser Interdependenz von Bild, Körper und Medium ausgehend möchten wir uns auf dem Weg zu einer möglichen »archäologischen Hermeneutik« an drei Bildkontexten orientieren: den Referenzleistungen von Bildern, der Bildpraxis und der Bildinszenierung.
TEILNEHMER/INNEN
Jennifer Bagley, M.A. (Vor- und Frühgeschichte;
Ludwigs-Maximilians-Universität München)
Prof. Barbara Borg (Klassische Archäologie; The University of Exeter)
Prof. Manfred K. H. Eggert (Ur- und Frühgeschichte; Universität Tübingen)
Dr. Daniel Graepler (Klassische Archäologie; Georg-August-Universität Göttingen)
Dr. Annette Haug (Klassische Archäologie; The University of Oxford)
Michaela Helmbrecht M.A. (Vor- und Frühgeschichte; Lunds Universitet)
Dr. Vítezslav Horák (Philosophie; München)
Prof. Christoph Huth (Ur- und Frühgeschichte; Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
Carsten Juwig M.A. (Europäische Kunstgeschichte; Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe)
Catrin Kost M.A. (Chinesische Kunst und Archäologie; Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe)
Urte Krass M.A. (Europäische Kunstgeschichte; Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte Florenz)
Prof. Thomas Macho (Kulturgeschichte; Humboldt-Universität Berlin)
Prof. Rainer Warland (Christliche Archäologie und Kunstgeschichte; Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
PROGRAMM
Donnerstag, 17. April 2008
19.00h Prof. Thomas Macho
Eröffnungsvortrag „Körper und Maske im Grabritual“
Freitag, 18. April 2008
09.30 – 10.00 Begrüßung
10.00 – 10.20 Einführung
10.20 – 10.40 Kaffeepause
Sektion 1: Fragen der Hermeneutik
Moderation: PD Dr. Martin Schulz (Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien)
10.40 – 11.30 Dr. Vítezslav Horák
„Bildwissenschaft und Bildhermeneutik“
11.30 – 12.20 Prof. Manfred K. H. Eggert
„Repräsentationen, Hermeneutik, Semiotik:Thesen über und für die Archäologie“
12.30 – 14.00 Mittagspause
Sektion 2: Bildreferenz
Moderation: Prof. Thomas O. Höllmann (Ludwig-Maximilians-Universität München)
14.00 – 15.00 Jennifer Bagley, M.A./ Catrin Kost M.A.
„Bedeutungsfelder von Menschen- und Tierdarstellungen in frühen Kulturen“
15.00 – 15.30 Kaffeepause
15.30 – 16.20 Prof. Christoph Huth
„Eisenzeitliche Bildwelten“
16.20 – 17.10 Dr. Annette Haug
„Bilderwelt und Bilderfahrung in der griechischen Frühzeit“
17.10 – 17.30 Plenum
Samstag, 19. April 2008
Sektion 3: Bildpraxis
Moderation: Prof. Lambert Scheider (Universität Hamburg; angefragt)
09.00 – 09.50 Dr. Daniel Graepler
„Tonfiguren im Grab. Die Funktion kleinplastischer Körperentwürfe im Grabritual“
09.50 – 10.40 Michaela Helmbrecht M.A.
„Vendel- und wikingerzeitliche Menschendarstellungen: vom archäologischen zum sozialen Kontext“
10.40 – 11.00 Kaffepause
11.00 – 11.50 Prof. Rainer Warland
„Die Valenz der Bilder in byzantinischen Liturgien“
12.00 – 13.30 Mittagspause
Sektion 4: Bildinszenierungen
Moderation: PD Dr. Martin Schulz (Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien)
13.30 – 14.20 Prof. Barbara Borg
„Bildinszenierung am Übergang zur Spätantike“
14.20 – 15.10 Carsten Juwig M.A.
„Das Gewand der Balthilde. Eine frühmittelalterliche Reliquie zwischen Bild und Abbild“
15.10 – 15.30 Kaffeepause
15.30 – 16.20 Urte Krass M.A.
„Entlarvt? Wie man die Totenmaske Bernardinos von Siena zum Sprechen bringen kann“
16.20 – 17.00 Plenum
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