Walbeck und Ostfalen von den Ottonen bis zu den Saliern
Fachtagung auf Schloss Hundisburg
vom 4. bis 6. April 2008
Das heute dörfliche Walbeck blickt auf eine lange historische Tradition zurück. Der kleine Ort, nahe Helmstedt im Bördekreis gelegen, zählte zu den bedeutenden Stätten des 10. Jahrhunderts in der Gegend zwischen Hildesheim, Magdeburg und Halberstadt. Die Gegend wird – eher ungewöhnlich für diesen Landkreis – durch den Lappwald und das Tal der Aller geprägt, und die Anhöhe des sogenannten Hagen über dem Fluss bot schon in vorgeschichtlicher Zeit gute Siedlungsmöglichkeiten.
Ins helle Licht der Quellenüberlieferung tritt Walbeck im Zeitalter der Ottonen. Damals, im 10. und frühen 11. Jahrhundert, lag der Ort inmitten der Kernlandschaft des abendländischen Kaiserreichs und hatte teil an dessen kultureller und politischer Blüte. Doch das hegemoniale Kaisertum, das Otto der Große im Jahre 962 wiedererrichtete und dem sich auch die nachfolgende Dynastie der Salier verpflichtet wußte, war hart erkämpft: So fiel Liuthar I. aus dem Geschlecht der Grafen von Walbeck im Jahre 929 bei Lenzen an der Elbe in der Schlacht gegen die Slawen. Das Walbecker Stift wurde einst vom Grafen Liuthar II. als Sühne für seine Beteiligung an dem Komplott des Jahres 941 gegen Otto I. eingerichtet. Die Stiftskirche ist einer der wenigen erhaltenen vorromanischen Sakralbauten in Deutschland und – als Kristallisationspunkt der Walbecker Geschichte – auf mannigfache Weise mit der Geschichte des Ortes bis in die Neuzeit und die neueste Zeit hinein verknüpft.
Die Geschichte des Stifts in Walbeck umfaßt zugleich die gesamte Zeit des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und endete wie dieses erst in der Säkularisation zu Anfang des 19. Jahrhunderts, als der Geist der Neuzeit die im Mittelalter gelegten machtpolitischen und kulturellen Grundlagen Europas längst aufgehoben hatte. Der Bruch war tiefgreifend: Kunstvolle Kirchenschätze und reiche Bibliotheken wurden in alle Winde zerstreut oder gingen für immer verloren. Dieses Schicksal blieb auch dem Walbecker Stift nicht erspart. Eine zweite, ebenso tiefgreifende Zäsur bedeuteten der Terror der nationalsozialistischen Herrschaft und der dadurch bedingte Zusammenbruch des Jahres 1945, dem die Gründung zweier deutscher Staaten folgte. Walbeck lag nun in dem durch die todbringende innerdeutsche Grenze geprägten Niemandsland; die Stiftskirche wurde durchaus beabsichtigt dem Verfall preisgegeben. Dieser konnte erst durch den weltgeschichtlichen Umbruch von 1989 endgültig abgewendet werden. Seitdem erfahren der Ort und dessen Geschichte in ottonischer Zeit wieder die öffentliche Beachtung, die ihnen zukommt, und die Forschung kann ungehindert auf den Grundlagen aufbauen, die in den 1930er Jahren gelegt worden sind.
Im Zusammenhang mit der 27. Ausstellung des Europarats "Otto der Große, Magdeburg und Europa" wurden endlich die gleichermaßen historisch wie kunst- und architekturgeschichtlich bedeutenden Monumente in Walbeck grundlegend saniert: die Ruine der Stiftskirche, die neoromanische Dorfkirche St. Michael und die Tumba vom Grab Liuthars II., eines der bedeutendsten Stuckwerke aus ottonischer Zeit.
Zuletzt konnte, wiederum durch das LEADER+ Förderprogramm der Europäischen Union unterstützt, der derzeitige Kenntnisstand zur Geschichte des geistlichen Lebens dieses Ortes in Buchform zusammengefaßt werden. Diese Publikation ist Anlass für prominente Fachgelehrte aus ganz Deutschland, den Stand und die Perspektiven der Walbeck-Forschung zu diskutieren; Vorträge über die geistigen und kulturräumlichen Grundlagen des ottonischen und frühsalischen Reiches ergänzen das Programm, das auch eine Exkursion nach Walbeck einschließt.
Eine Veranstaltung
der Evangelischen Kirchengemeinde Walbeck
und des Vereins KULTUR-Landschaft Haldensleben-Hundisburg e.V.
Tagungsprogramm
Wissenschaftliche Moderation:
Dr. Berthold Heinecke und Dr. des. Christian Schuffels
Freitag, 4. April 2008
Schloss Hundisburg, Eichsfelder Saal und Ausstellungsräume
ab 15.00 Uhr
Anmeldung im Tagungsbüro
16.30 Uhr
Ulrich Hauer, Hundisburg
Eröffnung der Tagung
17.00 Uhr
Präsentation des Bandes "Tausend Jahre Kirche in Walbeck"
18.00 Uhr
Reinhard Schmitt, Halle
Die ottonische Klosterkirche in Memleben – Forschungsstand und Ausblicke
20.00 Uhr
Empfang durch den Verein KULTUR-Landschaft Haldensleben-Hundisburg e.V.
Sonnabend, 5. April 2008
Schloss Hundisburg, Eichsfelder Saal
08.45 Uhr
Begrüßung
09.00 Uhr
Prof. Dr. Hans K. Schulze, Marburg
Der Harz-, Elbe-, Saale- und Unstrutraum als historische Landschaft. Königtum, Adel und Kirche im Zeitalter der Ottonen und Salier
10.00 Uhr
Prof. Dr.-Ing. Dr. phil. Günther Binding, Köln
Walbeck und die ottonische Architektur in Sachsen
11.00 – 11.15 Uhr
Kaffeepause
11.15 Uhr
Prof. Dr. Uwe Lobbedey, Münster
Ottonische Westwerke
12.15 – 13.45 Uhr
Mittagspause
13.45 Uhr
Prof. Dr. Rainer Kahsnitz, Berlin
Das Heilige Grab in der Stiftskirche Gernrode
14.45 Uhr
Prof. Dr. Gerhard Krieger, Trier
Zum Philosophieverständnis in vorscholastischer Zeit
15.45 – 16.15 Uhr
Kaffeepause
16.15 Uhr
Dr. Christoph Winterer, Frankfurt am Main / Innsbruck
Ein Walbecker Evangeliar aus dem 11. Jahrhundert:
Latin Ms 88, John Rylands Library Manchester
17.00 Uhr
Dr. des. Christian Schuffels, Göttingen / Kiel
Bischof Thietmar von Merseburg und das Stift Walbeck
17.45 Uhr
Dr. Berthold Heinecke, Flechtingen
Vom Stift zur Ruine. Walbeck im 19. und 20. Jahrhundert
Sonntag, 6. April 2008
9.00 – 13.00 Uhr
Exkursion nach Walbeck:
Besichtigung der Heimatstube, der Dorfkirche (Tumba) und der Stiftsruine
12.00 Uhr
Gemeinsames Mittagessen
Die Tagung endet gegen 13.30 Uhr.
Anmeldung
Aufgrund der beschränkten Kapazität des Tagungsraumes bitten wir um rechtzeitige Anmeldungen. Die Anmeldung kann erfolgen per Briefpost, per Fax und per E-Mail bei
Schloss- und Gartenverwaltung
Hundisburg
Schloss
39343 Hundisburg
Fax 03904-2541
info@schloss-hundisburg.de
Die Tagungsgebühr in Höhe von 30,00 € ist im Tagungsbüro zu entrichten oder vorher auf nachstehendes Konto zu überweisen:
KULTUR-Landschaft Haldenslebenn-Hundisburg e.V.
Ohrekreis-Sparkasse
Kto. 300 300 6133
BLZ 810 550 00
Die Tagungsgebühr beinhaltet Erfrischungsgetränke und die Pausenversorgung am Freitag, dem 4. April 2008, und am Samstag, dem 5. April 2008. Ein Mittagessen kann auf Wunsch im Schloßrestaurant auf eigene Rechung eingenommen werden.
Bei der Teilnahme an der Exkursion fallen weitere Kosten in Höhe von 20,00 € an, die das Mittagessen am Sonntag, dem 6. April 2008, einschließen.
Im Bereich des Schlosses bestehen begrenzte Unterbringungsmöglichkeiten. Informationen erteilt die Schloss- und Gartenverwaltung, die auf Wunsch auch weitere Übernachtungsmöglichkeiten in Haldensleben und Umgebung vermittelt.
Anreise
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
DB-Bahnhof Haldensleben (Strecke Magdeburg-Wolfsburg).
Buslinie 612, an Werktagen stündlich (www.ohrebus.de)
Mit privaten Kfz:
A 2, Abfahrt 66 Bornstedt, 9 km in Richtung Haldensleben
Redaktionsschluss: Januar 2008
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