Freiheit und Geschlecht – Offene Beziehungen, Prekaere Verhaeltnisse. Ringvorlesung Gendered Subjects VI
Unter dem Stichwort Liberalisierung vollziehen die westlichen Gesellschaften seit mehr als zwei Jahrzehnten eine janusgesichtige Veraenderung: Einerseits werden Normen zunehmend aufgeweicht und ermoeglichen unterschiedlichste individuelle Lebensentwuerfe (Stichwort: gleichgeschlechtliche Ehe), andererseits nimmt der Druck des Marktes auf ebendiese individuellen Sphaeren (Stichwort: Selbstmanagement) zu: Der Rueckzug der Politik aus immer mehr Lebensbereichen geht Hand in Hand mit dem Vormarsch der Oekonomie.
In diesem Prozess mit ungewissem Ausgang stehen insbesondere auch Geschlechterkonstruktionen und Geschlechterverhaeltnisse auf dem Spiel. Diskurstheoretische Ansaetze der Gender Studies sind dabei nur ungenuegend analysetauglich, weil sie von einem machtvollen Regulierungsapparat mit klaren Verantwortlichkeiten ausgehen. Sie muessen dahingehend erweitert werden, dass das Diktat des Marktes in seiner Allmaechtigkeit entpersonalisiert und entideologisiert, sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt zunehmend ueber „Selbsttechnologien“ (Michel Foucault) sichergestellt wird. Diese Selbsttechnologien sind jenen Gruppierungen leichter aneigenbar, die schon bisher ueber mehr Ressourcen verfuegten. Deregulierung und Privatisierung gehen daher u.a. im mehrfachen Sinne auf Kosten der Frauen: Einerseits ist die Umsetzung geschlechtergerechter Masznahmen an ein sozialpolitisches Regulativ gebunden, andererseits werden viele bislang oeffentliche Aufgaben in den privaten Bereich ausgelagert und dort vor allem von Frauen – unentgeltlich! – wahrgenommen.
Diese gesellschaftliche Entwicklung wirkt global - im geographischen wie im uebertragenen Sinn. Die Ringvorlesung versucht, Leerstellen und Freiraeume in den unterschiedlichsten Sphaeren zu beleuchten und Zusammenhaenge aufzuzeigen. Die Kategorie Geschlecht soll entlang folgender Schwerpunkte analysiert werden:
„Freiheit“ und Politik: (Von der Aufklaerung zum Neoliberalismus) Zivilgesellschaft, Global Governance, „neue Buergerlichkeit“, Migration und Menschenrechte;
„Freiheit“ und Oekonomie: Unbezahlte Arbeit (Care-/Reproduktionsarbeit), Arbeitsmigration, Sexarbeit, Kolonisierung durch Freihandelszonen, Prekaritaet, „Ich-AG“;
„Freiheit“ und Medien: „soziales“ Marketing, „Berlusconismo“ und Zensur, Neue Medien, Werbebilder, Geschlechterstereotype im Film;
„Freiheit“ und Gesellschaft: Familienmodelle, liberalisierter Bildungs-„Markt“, Reproduktionstechnologie, Technik und Risikodiskurs
Fuer die Ringvorlesung im Rahmen des Magisterstudiums Gender Studies, die im Studienjahr 2006/07 an der Universitaet Wien stattfinden wird, laden wir WissenschafterInnen aller Disziplinen ein, ihre Perspektive zu obigen Fragestellungen einzubringen. Vortragende erhalten ein Honorar von € 100,-- und Reisekosten bis zu € 150,--, eine Publikation der Beitraege ist geplant. Das Programm der Ringvorlesung wird in Kooperation mit der Bundesvertretung der Oesterreichischen HochschuelerInnenschaft entwickelt, die ein Tutorium zur Ringvorlesung organisiert.
Wir bitten um Zusendung von Vorschlaegen mit Arbeitstitel und Thesenpapier (ca. 3000 Zeichen) sowie Lebenslauf und Anschrift.
Marlen Bidwell-Steiner, Referat Genderforschung, Universitaetscampus Hof 7, Spitalgasse 2, 1090 Wien
Referat Genderforschung: http://www.univie.ac.at/gender
Mail: marlen.bidwell-steiner@univie.ac.at
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