12. Tagung des „AK Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit“
02.-04.11. 2006 im Tagungshaus der Katholischen Akademie Stuttgart-Hohenheim
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Gewalt und Geschlecht
„Gewalt“ umfasste in der Frühen Neuzeit ein sehr viel weiteres Begriffsfeld als heute. Gewalt wurde verstanden als Recht und Anspruch, als legitimes bzw. illegitimes Mittel, als Medium und Ausdruck von Macht oder Herrschaft, als Zwang oder Rohheit, im physischen und übertragenen Sinne, aber auch als „Kunst“ und Vermögen. Die Tagung fragt im Spektrum dieser Bedeutungsvielfalt nach dem Stellenwert der beiden analytischen Kategorien „Gewalt“ und„Geschlecht“. Sie will Möglichkeiten ausloten, mit Hilfe dieser „Werkzeuge“ laufende Diskussionen um „Gewalt in der Frühen Neuzeit“ zu präzisieren.
Obwohl Diskussionen zu und über Gewalt in unterschiedlichsten Forschungsfeldern geführt werden, decken diese keineswegs alle Aspekte des frühneuzeitlichen Gewaltspektrums ab. Nach wie vor dominieren in der historischen Forschung Ansätze und Theorien, in denen die Kategorie Geschlecht kaum eine Rolle spielt. In der Kriminalitäts– und Widerstandsforschung, in Arbeiten zu Krieg und Militär oder zur Herausbildung des staatlichen Gewaltmonopols etc. wird gerade auf der „politischen“ und institutionellen Ebene von Gewalt die Kategorie „Geschlecht“ vernachlässigt. Häufiger thematisiert wird sie dagegen aus mikrohistorischer Perspektive an Beispielen zu sexueller bzw. häuslicher Gewalt, zu Rauf- und Ehrenhändeln, Trinkritualen oder Rügebräuchen.
Ist „politische“ bzw. institutionalisierte Gewalt tatsächlich geschlechtsneutral? In welchem Verhältnis stehen Mikro- und Makroebenen? Welche Rolle spielen geschlechtliche Fremd- und Selbstzuschreibungen für frühneuzeitliche Gewaltdiskurse, für die Frage nach Legitimität und Illegitimität, für Praktiken staatlicher Gewalt, für Gewaltandrohung, -ausübung und -interpretation? Welche Bedeutung hat die Kategorie Geschlecht für das Kommunizieren von und über Gewalt?
Insbesondere sexualisierte und häusliche Gewalt, aber auch militärische und innermilitärische Gewalt - offenkundig nicht ohne die Analyse von Geschlechterkonstrukte zu verstehen – sollten in Diskussionen einbezogen werden.
Frühneuzeitliche Gewalt spielte sich jedoch nicht nur im „Physischen“ ab. Imaginative und rituelle, also etwa magische, dämonische und/oder heilige Gewalt wurden in der Forschung noch kaum beachtet. Unter geschlechtergeschichtlichem Blickwinkel verdienen auch Formen der Ästhetisierung, Symbolisierung und Ritualisierung von Gewalt in all ihren Facetten mehr Aufmerksamkeit
Lassen sich die derartige Gewaltformen und Perspektiven auf Gewalt in den „klassischen“ Themenkanon der historischen Gewaltforschung einfügen? Wie lassen sich theoretische Reflexionsansätze aus der Geschlechterforschung und den Kulturwissenschaften, aus Historischer Anthropologie, Ethnologie, Volkskunde und Kunstgeschichte dabei nutzen? Welche Konsequenzen hat die Berücksichtigung der Kategorie „Geschlecht“ für die Analyse langfristiger Entwicklungen von physischer Gewalt ebenso wie mittelbarer Gewalt als ‚Ermöglichung’?
Die Tagung will Gelegenheit bieten, Beispiele, komplexe Prozesse und Fragestellungen zu beleuchten sowie konzeptionelle Probleme und Möglichkeiten zu diskutieren.
Der CfP richtet sich nicht ausschließlich an HistorikerInnen, sondern auch an historisch arbeitende VertreterInnen benachbarter Disziplinen. Alle Beiträge sollten die Beziehung von Geschlecht und Gewalt sowohl theoretisch reflektieren als auch historisch einordnen.
Die Tagung will nicht zuletzt auch dem "wissenschaftlichen Nachwuchs" eine Plattform zur Präsentation und Diskussion von Forschungsarbeiten bieten.
Andrea Griesebner (Wien), Maren Lorenz (Hamburg), Monika Mommertz (Berlin), Claudia Opitz (Basel)
Vortragsvorschläge, die thematisch in den Rahmen des Tagungskonzeptes passen (im Umfang von einer halben bis max. einer Seite) bitte bis zum 15. Mai 2005 an die folgenden Adressen, wenn möglich bitte per email:
PD Dr. Maren Lorenz
Hamburger Stiftung z. Förd. von Wiss. und Kultur
Neuer Kamp 25
D-20359 Hamburg
Email: maren.lorenz@his-online.de
Dr. Monika Mommertz
Institut für Geschichtswissenschaft
Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin
Monika.Mommertz@t-online.de
PS: Wir weisen darauf hin, dass von der Katholischen Akademie Rottenburg-Stuttgart für ReferentInnen i.d. Regel keine Reisegelder und Honorare übernommen werden können.
Email: Monika.Mommertz@t-online.de
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