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Tagung Marginalisierte Körper 1. – 2. Juli 2005 Universität Hamburg
Der Fokus der Tagung Marginalisierte Körper liegt auf dem Verhältnis von Norm und Ausgrenzung als körperlichem Verhältnis. Sowohl in Politik und Kultur aber auch in der Wissenschaft dreht sich in den letzten Jahren vermehrt das Interesse um den Körper, seine Repräsentationsformen und Inszenierungspraxen. Kritisch beleuchtet wurden bisher vor allem Techniken der Normalisierung und Formung, die den perfekten, schönen, gesunden und schlanken Körper propagierten. Wenig hingegen wurde die Normalisierung und Formung des marginalisierten Körpers analysiert. Anhand unterschiedlicher Vorträge, die die Konstruktion dieser Körper in historischer bzw. soziologischer Perspektive betrachten, möchte die Tagung einen Beitrag zur Erkundung dieser Leerstelle leisten.
In der sozialwissenschaftlichen Betrachtung von Körper lassen sich zwei Perspektiven unterscheiden: Zum einen geht es darum, zu beschreiben und analysieren, wie der Körper ‚geformt’ wird und was ihn somit ‚sozial’ gemacht hat. Die andere Perspektive untersucht die Funktionen, die dem Körper seinerseits in der Reproduktion des Sozialen zukommt. Liegt der Fokus das eine Mal stärker auf dem Körper und den sich in ihm verkörpernden gesellschaftlichen Bedingungen seiner Möglichkeit, geht es in der zweiten Lesart um Gesellschaft und die Dimension des Körperlichen als ihrer Matrix. Für beide Perspektiven sind Differenzierungs-, Klassifikations- und damit Ausschlussmechanismen zentral. Eine systematische Untersuchung des Zusammenhangs von Körper und Exklusion bzw. Marginalisierung soll durch diese Tagung angestoßen werden.
Die Geschichte des Körpers ist immer auch eine Geschichte des anderen Körpers, des marginalisierten Körpers - der andere Körper, der erst die eigene Körperlichkeit, das Verständnis, die Erfahrung oder Selbstreflexion über den eigenen Körper ermöglicht. Diese Konstituierung beinhaltet eine Differenzierung, Grenzziehung und damit Aus- und Abgrenzung zu dem anderen Körper. Zusammengefasst: Eine Erkenntnis über ‚den’ Körper kommt an einer systematischen Rekonstruktion des ‚anderen’, marginalisierten Körpers nicht vorbei.
Konzept und Organisation
Torsten Junge & Imke Schmincke
Fachbereiche Sozialwissenschaften und
Bewegungswissenschaft.
Mit Unterstützung durch die Abteilung für Forschung und Wissenschaftsförderung der Universität Hamburg.
Tagungsort:
Universität Hamburg
Feldbrunnenstr. 70, Raum Fel 03
Anmeldung per Mail an:
Torsten Junge
(tojunge@gmx.net)
Imke Schmincke
(imke.schmincke@uni-hamburg.de)
Programm:
Freitag, 1. Juli 2005
13.00 Begrüßung
13.30 Jürgen Budde (Hamburg)Der Körper als Feld der Aushandlung von Männlichkeit zwischen Schülern.
14.30 Charlotte Ullrich (Bochum)Marginalisierte Reproduktion? Der Körper in der medizinischen Behandlung von unerfülltem Kinderwunsch.
15.30 Kaffeepause
15.45 Anne Waldschmidt (Köln)Der behinderte Körper: Perspektiven der Disability Studies.
16.45 Ulrike Klöppel (Potsdam)Hermaphroditismus als Grenzgestalt der medizinischen Kodifikation des Geschlechts im 19. und 20. Jahrhundert.
17.45 Kaffeepause
18.00 Klaus Hödl (Graz)Der 'jüdische Körper' in seiner Differenz: Ambivalente Sichtweisen desAnderen.
Samstag, 2. Juli 2005
9.30 Jens-Rainer Berg (Hamburg)Dunkel, klein, krank, dreckig - "New Immigrants" und die Produktion "anderer Körper" im US-amerikanischen Diskurs um 1900.
10.30 Heiko Stoff (Braunschweig/ Berlin)„Wir wollen die Verjüngung der Welt“. Lebensverbesserung und Todesverdrängung im 20. Jahrhundert.
11.30 Kaffeepause
11.45 Maren Möhring (Köln)"Natürliche Scham".Marginalisierte Körper in der deutschen FKK-Bewegung.
12.45-13.30 Abschlussdiskussion
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