WissensKünste III
"Zwischen Experiment und Evolution - Schönheit in Kunst und Wissenschaft"
Eine Veranstaltungsreihe des Zentrums für Literaturforschung in
Kooperation mit dem Museum für Gegenwart - Hamburger Bahnhof.
Das Thema "Schönheit" gehört zu den gesellschaftlich wichtigsten Diskussionsfeldern des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Als kulturwissenschaftliches Labor der Gegenwart widmet sich die Veranstaltung "Zwischen Experiment und Evolution - Schönheit in Kunst und Wissenschaft" des Zentrums für Literaturforschung der Aktualität der Schönheit und des Schönen. Schönheit dominiert sowohl die populären Life-Style Debatten als auch humanwissenschaftliche Forschungen, in denen Schönheit nicht mehr als normative Größe, sondern als Rekonstruktion der Zusammenhänge von Schönheit, Ästhetik, Aisthesis, Erkenntnis und Wahrheit untersucht wird. Schönheit ist zudem das aktuelle Thema der Kunst. Zeigte sich diese lange Zeit dominiert von einer Ablehnung des Schönen, so beschäftigt sie sich nun intensiv mit der Kehrseite der Schönheit und nimmt die Bedeutung von Groteskem, Bizarrem, Skurrilem und Abjektem in den Blick. Schönheit ist zudem eines der dominantesten Themen der Naturwissenschaft. Und dies im Hinblick auf die Renaissance biologischer Modelle des 19. Jh., die Wiederkehr der Verbindung von Schönheit und psychologischen Krankheiten sowie der "Schönheit" als Ergebnis naturwissenschaftlicher Produktion.
In den aktuellen Debatten gerät das Schöne allzu häufig zum Oberflächenphänomen. Seine Bedeutung für und sein Einfluß auf unser kulturelles Wissen werden dabei ebenso wenig zur Kenntnis genommen, wie die Tatsache, daß die Schönheit naturwissenschaftlicher Objekte, Bilder und Prozesse diesen nicht einfach inhärent, sondern Teil des Konstruktionsprozesses ist. Zudem werden die vielfältigen Verflechtungen und Einschreibungen der Schönheitsvorstellungen und -begriffe für die naturwissenschaftliche Produktion nicht wahrgenommen. Gerade hier ergeben sich epistemologisch produktive Schnittstellen zwischen künstlerischem, human- und naturwissenschaftlichem Diskurs.
Die Veranstaltung "Zwischen Evolution und Experiment - Schönheit in Kunst und Wissenschaft" arbeitet diesen blinden Flecken des Schönheits-Diskurses entgegen. Sie rekonstruiert das historische und kulturgeschichtlich entwickelte Wissen der Schönheit, verdeutlicht dessen implizite Einschreibung in zeitgenössische Diskussionen, ästhetische Artefakte und die Repräsentation naturwissenschaftlichen Wissens.
Das Projekt konzentriert sich auf die vernachlässigte Verbindung zwischen Human- und Naturwissenschaften mit den Künsten; es geht darum, die unterschiedlichen Einflüsse auf die visuellen und verbalen Äußerungsformen der jeweiligen Erklärungsmodelle zu beschreiben. Innovativ ist auch die Veranstaltungsform, in der Wissenschaftler und Künstler jeweils zu einem spezifischen Themenkomplex miteinander ins Gespräch gebracht werden. Deutlich soll in dieser Verbindung die Notwendigkeit eines transdisziplinären Dialogs werden, um den komplexen kultur- und naturwissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit adäquat zu begegnen.
WissensKünste III - Termine:
24.02.2005, Beginn: 19.00 Uhr "Schönheit als Handicap" (Gäste: Sam Samore, Peter Geimer und Michael Lachmann) In synergetischer Fortschreibung der vorangegangenen Veranstaltung wird nun die Bedeutung spektakulärer Accessoires und auffälliger Körpersignale als Zeichen der Macht, Dominanz und Stärke thematisiert. Was bedeutet der Transfer eines evolutionsbiologischen Mechanismus in die Welt der Mode und Kosmetik?
10.03.2005, Beginn: 19.00 Uhr Podiumsdiskussion "The Politics of Beauty oder: "Der menschliche Körper als Organ der Mode" (Gäste: die Künstlerin Bettina Allamoda, Luzia Braun (Moderation), der Schönheitschirurg Afschin Fatemi, der Leiter des Kulturressorts der Vogue Bernd Skupin, Der Autor des Buches Darwin und die Anstifter Thomas P. Weber, der Kurator des Hauses der Kulturen der Welt Shaheen Merali). In einem erweiterten Horizont sollen die Verbindung von evolutionsbiologischen Entwicklungen des Körpers, die Bedeutung für die sozialen Kontakte des Menschen und die Auswirkungen auf kulturelle Prozesse diskutiert werden. Die Diskussion bildet zudem die Schnittstelle zu einer Ausstellung des Kooperationspartners (Haus der Kulturen der Welt), die die transkulturelle Dimension des Themas "Schönheit" in den Blick nehmen wird.
18.03.2005, Beginn: 19.00 Uhr "Im Auge des Betrachters" (Gäste: Rineke Dijkstra, Mike Page und Hubertus Gaßner). Im Mittelpunkt steht die Bedeutung des Betrachter bei der Definition des Schönen und daher die Fragen, nach welchen Kriterien etwas als ‚schön' bewertet wird und welche Faktoren in dieser Definition eine Rolle spielen.
08.04.2005, Beginn: 20.00 Uhr Abschlußevent VB 55 - Performance von Vanessa Beecroft in der Neuen Nationalgalerie Berlin.
Mit der Veranstaltung "Zwischen Experiment und Evolution - Schönheit in Kunst und Wissenschaft" wird also erstmals ein transdiziplinärer Dialog zwischen den Wissenschaften und Künsten zur Erkundung eines Phänomens initiiert, dessen gesellschaftliche Relevanz in Geschichte und Gegenwart weit über seine ästhetischen Implikationen hinausgeht.
Alle Veranstaltungen - außer der Abschlussperformance - finden statt
im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart Aktionsraum
Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin
Eintritt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro
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